Wirtschaften mit und nach Corona

Status Quo

Corona-Krise trifft Branchen unterschiedlich stark:

Die Corona-Krise hat deutliche Spuren in den Innenstädten hinterlassen. Besonders der Handel hat mit enormen Folgen zu kämpfen. Die krisenbedingten Umsatzeinbußen der Einzelhandelsunternehmen werden die bereits hohen Leerstandsquoten in unseren Innenstädten vielerorts nochmal deutlich ansteigen lassen. Attraktive Städte und Gemeinden brauchen vitalen Einzelhandel und weitere belebende Nutzungen in Verbindung mit hoher Aufenthaltsqualität und angenehmer Atmosphäre.
Massiv betroffen sind zudem die Kultur- und Kreativwirtschaft, das Beherbergungsgewerbe, touristische Bereiche und die Gastronomie. Die Kultur- und Kreativwirtschaft besteht aus einem hohen Anteil an Solo-Selbstständigen sowie Mini-Selbstständigen mit einem Umsatz unter 17.500 Euro im Jahr. Ein Sterben der Kreativwirtschaft gefährdet die wirtschaftliche, aber auch die kulturelle Vielfalt und damit auch die Attraktivität Deutschlands als lebenswerten Ort für Menschen aus dem In- und Ausland. Gleiches gilt für die hart getroffene Gastronomie.

Deutsche Wirtschaft ist anpassungsfähig:

Die Pandemie hat in zahlreichen Bereichen auch Defizite offengelegt. Der geringe Grad der Digitalisierung im Bildungssystem, in der öffentlichen Verwaltung aber auch in Teilen der Wirtschaft ist ein markantes Beispiel hierfür. Darüber hinaus wurden starke Abhängigkeiten in einzelnen Lieferketten und Produktgruppen sichtbar. Der Mangel an medizinischer Ausrüstung zu Beginn der Pandemie machte dies besonders deutlich. Gleichzeitig zeigte diese Situation aber auch wie flexibel und anpassungsfähig die deutsche Wirtschaft ist. Innerhalb kürzester Zeit wurden Produktionsprozesse umgestellt und Geschäftsmodelle teilweise komplett umgewandelt.

Für künftige Pandemien gewappnet sein:

In einer globalisierten Welt können lokale Virenausbrüche, wie sie in der jüngsten Vergangenheit mehrfach auftraten, zum Beispiel die Ebola-Epidemie 2014 oder die SARS-Pandemie 2002, schnell weltweite Auswirkungen haben. Es gilt daher Schlüsse aus der aktuellen Pandemie zu ziehen und langfristige Konzepte im Umgang möglicher künftiger Viren zu entwickeln und umzusetzen. Die Wirtschaft im Allgemeinen, insbesondere aber Handel, Gastronomie, Beherbergungsgewerbe und Tourismus sowie das Veranstaltungsgewerbe haben in der Vergangenheit bereits vorhandene Hygienekonzepte professionell erweitert sowie neue Formate erarbeitet und umgesetzt. Diese Expertise gilt es zu nutzen.

Massiver Anstieg der Staatsverschuldung:

Das Defizit des deutschen Bundeshaushalts belief sich 2020 auf 139,6 Milliarden Euro, was einer Defizitquote von 4,2 Prozent entspricht. Für das Haushaltsjahr 2021 ist eine Verschuldung von weiteren 180 Milliarden Euro geplant. auch die Landes- und Kommunalhaushalte sind durch Mindereinnahmen auf der einen und Mehrausgaben, Zum Beispiel im Bereich der Daseinsversorgung auf der anderen Seite, stark belastet. Gleichzeitig ist die öffentliche Hand wichtige Auftraggeberin für regionale Unternehmen. Kürzungen bei Investitionen an dieser Stelle können daher negative Dominoeffekte nach sich ziehen und zu noch geringeren Gewerbesteuereinnahmen führen.

Forderungen aus Sicht der Wirtschaft

Doreen Goethe; Geschäftsführerin pool production GmbH, Cottbus
Durch das Verbot von Veranstaltungen haben wir eine nie dagewesene Situation, die zu dramatischen Einbrüchen in der Veranstaltungsbranche führt. Für die am Markt tätigen Unternehmen ist es wichtig, verlässliche Hilfen zu erhalten, die nicht nur ein Überleben sichern, sondern tatsächliche Zukunftsperspektiven bieten. Unsere Arbeit lebt von Langfristigkeit und im Moment sind wir im Stand-by-Modus ohne jegliche Art von Planungssicherheit.
Doreen Goethe; Geschäftsführerin pool production GmbH, Cottbus
  • Es sind finanzielle Anreize und Entlastungen für den Neustart in den besonders stark betroffenen Branchen zu schaffen und Konzepte mit den entsprechenden Branchen zu entwickeln. Die Umsetzung zugesagter Hilfen wie zum Beispiel der Sonderfonds für die Kulturbranche sind zügig und sicher umzusetzen, um langfristige Investitionsanreize zu bieten.
  • Konjunkturprogramme sollten sich auf Investitionsausgaben mit langfristigen Effekten konzentrieren (zum Beispiel Investitionszulagen, steuerliche Begünstigungen von zusätzlichen Erträgen), anstelle konsumtiver Ausgaben mit kurzfristiger Wirkung. Öffentliche Investitionsanreize wie Bürgschaftsübernahmen sowie die degressive Abschreibung beibehalten oder ausweiten.
  • Unterstützung von Unternehmen, die aus eigenen Stücken ihre Produktion nach Deutschland (zurück)verlagern oder Lieferketten im Außenhandel diversifizieren.
  • Sämtliche Förderinstrumente müssen überprüft werden, ob sie geeignet sind die durch die Pandemie hervorgetretene Defizite zu beheben Sie müssen unabhängig von aktuellen Laufzeiten zeitnah nachgebessert und überarbeitet werden. Reichen die bisherigen Instrumente nicht aus, die Defizite durch gewerbliche Investitionen auszugleichen und einen Vorsprung zu erarbeiten, sind zusätzliche Investitionsanreize zu schaffen, zum Beispiel durch Investitionszulagen oder steuerliche Begünstigungen.
  • Es sollten Strategien für künftige Pandemie-Situationen unter Einbeziehung der Wirtschaft konzipiert werden. Das beinhaltet eine explizite Vorsorgeförderung der besonders vulnerablen Wirtschaftsbereiche in Hinblick auf das Infektionsgeschehen.
  • Der nachhaltigste Weg, um künftig wieder stabile öffentliche Haushalte zu erreichen, ist Wachstum zu generieren. Das Verhältnis aus Staatsschulden zur Wirtschaftskraft kann somit wieder reduziert werden. Dafür dürfen den Unternehmen keine zusätzlichen steuerlichen Bürden auferlegt werden.
  • Öffentliche Investitionen sollten konstant gehalten oder in zukunftsträchtigen Bereichen ausgeweitet werden.
  • Die Mittel aus dem EU-Wiederaufbauplan “NextGenerationEU” sind in Form eines nationalen Konjunkturprogramms umzusetzen. Ziel muss es sein, das Vorkrisenniveau in sämtlichen Bereichen nicht nur wieder zu erreichen, sondern zu übertreffen.