Wassertourismus

Regionalen Wassertourismus fördern

Wasser spielt in Brandenburg eine große Rolle: Mit 33.000 km Fließgewässern und 3.000 Seen ist es eines der wasserreichsten Bundesländer. Gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern bilden sie das größte zusammenhängende Wassersport- und Wassertourismusrevier in Deutschland. In den vergangenen Jahren haben Investitionen in Schleusen, Hafenanlagen, Wasserwanderrastplätze und Sportboothäfen Brandenburg zu einem attraktiven Standort für Wassersport und Wassertourismus gemacht. Hiervon profitieren nicht nur die Schifffahrt und wassertouristische Unternehmen, sondern auch Angebote an Land und damit gesamte Regionen.
Aktuelle Entwicklungen seitens der Bundesregierung führen jedoch zu Hemmnissen in der Weiterentwicklung von Branche und Region, zu Investitionsstau und Ausbaubedarfen.

Forderungen der IHK Ostbrandenburg und Partner

  • verlässliche Schleusenbetriebszeiten für ein attraktives Wassersport- und Wassertourismusgebiet zur Ausschöpfung weiterer Potenziale
  • Erweiterung bzw. Neubau der Schleuse Fürstenwalde für die Nutzung des Oder-Spree-Kanals als attraktivem, alternativen Verkehrsweges zu Schiene und Straße und zur wirtschaftlichen Förderung der Unternehmen und Region
  • Erhalt der Netzfunktion und der durchgängigen Befahrbarkeit von Bundeswasserstraßen
  • Mitnahme der Wirtschaft und Länder in der Umsetzung des Bundesprogramm "Blaues Band"
  • verlässliches Auskommen des Haushalts der Nebenwasserstraßen für notwendige Investitionen an den Wasserstraßen in Ostdeutschland

Betroffene Wasserstraßen in Ostbrandenburg und die Folgen

  • Storkower Gewässer: seit 2015 verkürzte Schleusenbetriebszeiten an den Schleusen Kummersdorf, Storkow und Wendisch Rietz aufgrund von Personalfehlstellen, Folge: stark sinkende Attraktivität als Wassersport- und Wassertourismusgebiet, des weiteren fehlender Ausgleich für stark überlastete Reviere
  • Spree-Oder Wasserstraße: keine Ertüchtigung der Wasserstraße, lediglich Erhaltungsmaßnahmen, keine Verlängerung bzw. Neubau der 125 Jahre alten Schleuse Fürstenwalde, Folge: moderne Güterschiffe können die Schleuse nicht passieren, Rückzug von Unternehmen am Oder-Spree-Kanal und kein weiterer Ausbau des Hafens Eisenhüttenstadt, daneben droht durch den Ausfall der Schleuse Fürstenwalde auch das Aus für die wassertouristischen Angebote entlang des Oder-Spree-Kanals und die Abkopplung von Tourismus- und Wirtschaftsräumen an der oberen Oder in Polen (Breslau, Opole etc.)
  • Oder: die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes bezieht ihre Verpflichtungen lediglich aus dem Deutsch-Polnischen Abkommen, Wunsch nach Renaturierung, Folge: keine Weiterentwicklung der Güter- und Freizeitschifffahrt, keine Verlagerung des Hafenhinterlandverkehrs auf die Wasserstraße
  • Finowkanal: Gefahr der Außerbetriebnahme, Verhandlungsgespräche mit den anliegenden Gemeinden zur Übernahme des Kanals laufen

Hintergrundinformationen

1. Kategorisierung der Bundeswasserstraßen

2012 erfolgte durch das Bundesverkehrsministerium eine Unterteilung des Bundeswasserstraßennetzes in Hauptwasserstraßen und Nebenwasserstraßen auf Grundlage der transportierten Güter auf dem Wasserweg. Wasserstraßen mit geringfügigen Güterschiffsverkehr (Transportmenge weniger als 600.000 t/Jahr) werden als Nebenwasserstraßen geführt und entsprechend nachrangig gegenüber den Hauptwasserstraßen finanziell und personell durch die WSV verwaltet. Insbesondere in Ostdeutschland hat sich auf Wasserstraßen mit wenig bis gar keinem Güterschiffsverkehr der Wassersport und Wassertourismus entwickelt. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen (Investitionsstau, fehlender Aus- und Erweiterungsbau) sind die Chancen zur Entwicklung und Ausschöpfung des Potenzials des Wassertourismus und auch der Güterschifffahrt nicht gegeben.

2. Wassertourismuskonzept des Bundesverkehrsministeriums

Mit der Erstellung und Veröffentlichung des Wassertourismuskonzeptes bekennt sich das Bundesverkehrsministerium zum Wassersport und Wassertourismus auf Nebenwasserstraßen. Es hat die wirtschaftliche Bedeutung der Branche und die damit verbundene regionale Entwicklung registriert. Das Konzept dient daher der Schaffung der organisatorischen, personellen und finanziellen Voraussetzungen für die Nebenwasserstraßen. Um den finanziellen und personellen Bedarf an touristisch genutzten Wasserstraßen gerecht zu werden, soll ein zweiter Haushalt  sowie ein Organisationszweig innerhalb der WSV eigens für Nebenwasserstraßen geschaffen werden, allerdings nicht vor 2020. Eine ursprünglich vorgesehene Entwidmung von Bundeswasserstraßen ist hinfällig: Alle Bundeswasserstraßen bleiben im Eigentum des Bundes. Das Wassertourismuskonzept ist darauf ausgerichtet, Bundesländer, Kommunen und Kreise an den Kosten zu beteiligen. Aus Sicht des Bundesverkehrsministeriums ist die Belange des Wassertourismus nicht Aufgabe der Schifffahrts- und Wasserstraßenverwaltung. Ohne diese Einbeziehung "Dritter" wird das Bundesverkehrsministerium die Nebenwasserstraßen lediglich auf "Sparflamme" pflegen.

3. Bundesprogramm "Blaues Band Deutschland"

Das gemeinsam vom Bundesverkehrsministerium und Bundesumweltministerium erarbeitete Bundesprogramm dient der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und wird den neuen Anforderungen an die Wasserstraßen im Sinne der Freizeitnutzung gerecht. Neben der Renaturierung von Fließgewässern sollen auch Aspekte des Natur- und Gewässerschutzes, der Hochwasservorsorge, des Wassersports und Wassertourismus und der Erholung gleichermaßen Berücksichtigung finden. Für die Umsetzung stellt das Bundesverkehrsministerium jährlich ca. 50 Mio. Euro plus 15 Mio. Euro für Maßnahmen an Auen sowie ihr fachliches Know-How (durch die WSV) bereit. Bis zum Jahr 2030 will das Bundesverkehrsministerium die Durchlässigkeit aller Gewässer realisieren - das gilt für Fisch und Mensch. Regionale Entwicklungskonzepte, die den Anforderungen an die verkehrlichen Belangen, Wassersport und Wassertourismus, Natur- und Gewässerschutz und an den Hochwasserschutz gerecht werden, sind Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Entwicklung des Wassertourismus und der Regionen. Nun sind die Regionen aufgefordert, Beteiligte und Maßnahmen zu definieren.

4. Wassertourismusstudie des Bundeswirtschaftsministeriums

Als Antwort auf die bisherigen Entwicklungen und Entscheidungen des Bundesverkehrsministeriums hat das Bundeswirtschaftsministerium "Die wirtschaftlichen Potenziale des Wassertourismus in Deutschland" untersuchen lassen. In der Studie wird die Bedeutung des Wassersports und Wassertourismus deutlich: Mehr als 4,2 Milliarden Euro pro Jahr werden an Bruttoumsatz durch die Branche generiert. Sie sind eine tragende wirtschaftliche Säule, sichern Einkommen und Beschäftigung. Die regionale Entwicklung und Lebensräume erfahren positive Effekte. Hier ist darauf zu achten, dass die geplanten Umweltmaßnahmen die weitere wassertouristische Nutzung nicht einschränkt bzw. ausschließt. Die Gefahr der Aufgabe der Nebenwasserstraßen durch die Hintertür droht.