Durch die märkische Wirtschaft geht ein Riss

„Ausgebremst?!“ Die brandenburgischen IHKs präsentieren die Ergebnisse ihrer Mitgliederbefragung. 

„Wie reagieren wir auf zukünftige Krisen? Wie wird unsere Gesellschaft und unser Wirtschaftssystem krisenfest?“ – diese Fragen stellt sich ein Industriebetrieb aus dem Landkreis Uckermark. Sie zeigen einen von mehr als 600 individuellen, teils sehr persönlichen, Kommentaren aus der landesweiten Mitgliederbefragung der drei brandenburgischen IHKs. Mehr als 1400 Betriebe hatten sich daran beteiligt. 

So sollten sie unter anderem einschätzen, wie sehr die Politik bei ihren Entscheidungen zur Pandemie die Wirtschaft im Blick habe. Wenig bis gar nicht lauteten die Antworten. Dagegen erwarten die Unternehmen, dass die Politik Entscheidungen trifft, mit denen sie planen können. Das setzten knapp 60 Prozent an die erste Stelle. Mehr als die Hälfte der Betriebe forderte, dass die Politik für die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft sorgen müsse. 

„Endlich gibt es Lichtblicke am Horizont. Sinkende Inzidenzzahlen und steigende Impfquoten ermöglichen die sehnlichst erwarteten Lockerungen“, sagt Marcus Tolle, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus. „Den Unternehmen muss ihre unternehmerische Freiheit wieder zurückgegeben werden und unser Land konsequent entbürokratisiert werden.” 

Im Ziel sind sich die Unternehmen einig: so schnell wie möglich die Krise und damit verbundenen Einschränkungen hinter sich lassen. Bei der Frage, mit welcher Strategie die Pandemie bewältigt werden sollte, gehen dagegen die Meinungen weit auseinander: Insgesamt 36 Prozent wollen einen kurzen, konsequenten Lockdown, mit der Hoffnung auf weitestgehende Öffnungen danach. Ebenso viele verlangen eine sofortige Öffnung aller Wirtschaftsbereiche unabhängig von messbaren Kriterien. 
   
„Ein tiefer Riss geht durch die Wirtschaft“, sagt Dr. Knuth Thiel, Geschäftsbereichsleiter Wirtschaftspolitik der IHK Ostbrandenburg. „Die anhaltende Verunsicherung der Politik überträgt sich auf die Unternehmen. Diese Spaltung müssen die Entscheidungsträger ernst nehmen und gemeinsam mit der Wirtschaft überwinden.“