Nachfolge

Neustart mit 57 Jahren

Michael Wagner möchte es noch mal wissen. In einem Alter, wo andere sich langsam auf den Ruhestand vorbereiten, hat der 57-Jährige noch einmal investiert und eine neue Firma gegründet: die Wagner Apparate- und Anlagenbau GmbH & Co.KG. Für diese hat er auf dem Gewerbegebiet Charlottenhof in Beeskow ein großes Stück Land gekauft und erst einmal eine neue Halle mit Büroräumen errichten lassen.
Rund 800 000 Euro hat Michael Wagner investiert. „Ralf Katzke von der IHK Ostbrandenburg hat mich in diesem Prozess sehr unterstützt, ob bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung, bei der Antragstellung für Fördermittel bei der ILB und in vielen anderen Fragen“, lobt Wagner.  „Denn ich möchte wieder dahin zurück, wo ich einst mit meinem Vater angefangen habe“, beginnt der gebürtige Lübbener seine Geschichte zu erzählen. Gleich nach der politischen Wende war sein Vater Horst in eine Firma aus Herford (NRW) eingestiegen, die neue Produktionskapazitäten für ihre verfahrenstechnischen Anlagen und Anlagenkomponenten suchte. In Groß Leine, wo ein ehemaliges LPG-Gebäude leer stand, wurden sie fündig.  Als der Vater im ersten Geschäftsjahr starb, musste der Sohn, damals Mitte 20, einsteigen. Er übernahm 30 Prozent der Geschäftsanteile.
„Das war eine schwierige Entscheidung für mich, aber ich wollte die junge Pflanze nicht eingehen lassen.“ Michael Wagner, der als Maschinist für Tagebaugroßgeräte und Karosseriebaufacharbeiter ausgebildet worden war, hatte kein Abitur und kein Studium, was er eigentlich gebraucht hätte, um Fertigungsleiter zu werden. Doch er lernte schnell hinzu und verfügte durch seine Ausbildung und durch die „praktische Schule seines Vaters“ über einschlägige Erfahrungen in der Metallverarbeitung. Doch die „Firmenehe“ hielt nur bis 2001 und wurde vor Gericht geschieden.  „Ich bin mit einem goldenen Handschlag gegangen.“ Die Anstellung beim Klöckner Stahlhandel als Außendienstmitarbeiter eröffnete ihm die Möglichkeit, neue Unternehmen kennenzulernen. Mit 37 Jahren setze er sich noch einmal auf die Schulbank und absolvierte ein sechsjähriges Fernstudium. Im Januar 2007 hatte er sein Diplom als Maschinenbauingenieur in der Tasche, ein halbes Jahr später war er auch Schweißfachingenieur.
Wunsch nach eigener Herstellung
Mit dieser Ausbildung und seinem praktischen Wissen machte er sich als freiberuflicher Ingenieur selbstständig und gründete die SAW, die Serviceagentur Wagner. Später tat er sich mit einem Partner zu Prang & Wagner zusammen. Über die Arbeit im Ingenieurbüro eignete er sich weitere Kenntnisse im Kraftwerksbau und der Verwendung warmfester Stähle an. Zugleich festigte Wagner sein Wissen im Umgang mit Genehmigungsbehörden und Zulassungsstellen. „Ich war ja als selbständiger Ingenieur nur unterwegs, das Vagabundenleben hatte ich satt“, begründet Michael Wagner, der mit seiner Familie in Mittweide (Gemeinde Tauche) wohnt seinen Schritt. „Im Ergebnis all dessen reifte bei mir der Wunsch, wieder produzierend auf dem Gebiet des Anlagenbaus tätig zu werden. Es ist für mich sehr verlockend, ein eigener Hersteller zu sein“, erklärt Wagner seine Motivation.
Suche in der Nexxt Change Börse
Als ersten Schritt begab er sich auf die Suche nach einem produzierenden Unternehmen und wurde über die „Nexxt Change Börse“ fündig, eine kostenlose Internetplattform für Unternehmensverkäufe, die Wagner in höchsten Tönen lobt. Der Brandenburger kaufte die traditionsreiche Berliner Firma Vollmann GmbH „mit Mann und Maus“, die seit über 30 Jahren individuelle Garderobenanlagen für Arbeit, Schule, Freizeit und Foyer herstellt und auch schon für den Deutschen Bundestag geliefert hat. Jetzt wird in Beeskow produziert, die beiden Vollzeitkräfte René Franke und Peter Bunzel nehmen den täglichen Weg von der Hauptstadt in die Kreisstadt an der Spree in Kauf. Ihr ehemaliger Chef Peter Reisner ist als freier Mitarbeiter noch dabei. „Wir richten uns gerade richtig er“, erklärt Michael Wagner in der großen Fertigungshalle, wo seine Mitarbeiter gerade Regale aus Stahlträgern zusammenschweißen, „um Ordnung zu schaffen und schwere Teile lagern zu können“.  
Zweck der Firmenneugründung sei die Fertigung und der Vertrieb von Apparate- und Anlagenkomponenten bis zur Herstellung von kompletten Anlagen sowie der Vertrieb. „Wir werden uns auf die Verrohrung aller Komponenten und die Verbindung von Medien konzentrieren. In fast allen Industriesektoren braucht man uns, ob in der Energieerzeugung, in der Lebensmittelbranche oder in Werken, die Prozesswärme benötigen“, ist Wagner optimistisch, dass sich der Bedarf in absehbarer Zeit in bare Münze umschlagen wird. „Wir machen alles step by step, man muss die Übersicht und die Kosten im Auge behalten“, sagt der Mann, dessen Tag jetzt mehr als 24 Stunden haben könnte. Viele Ideen hat er im Kopf und die meisten setzt er auch um. So die „webbasierte Verkaufsseite“, ein Programm, das nach Wagners Idee entwickelt worden ist. Sie biete dem Kunden höchsten Komfort. Die Ware, die es ja „nicht von der Stange“ gebe, sei exakt nach technischer Vorplanung bestellbar, mit genauer Preisangabe und exaktem Liefertermin. Langwierige Preisangaben würden vermieden und die Beschaffungszeit stark verkürzt. Michael Wagner ist optimistisch, dass sein Plan aufgeht und die seine Produktionsfirma aufblüht: „Ich kann mit meinen Erfahrungen und komplexem Wissen punkten.“
FORUM/Ruth Buder

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Katharina Wieske
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