Nachhaltig. Mit der IHK.

Eine Entscheidung für die Umwelt

Der Wahnsinn mit dem Verpackungsmüll trat zu Corona-Zeiten noch einmal besonders zu Tage. Denn auch Annett Giese musste mehr als üblich jeden Tag für ihre vierköpfige Familie einkaufen und kochen. „Die Abfallbeutel waren ständig voll“, erinnert sie sich. Gleichzeitig fühlte sie sich bestätigt in ihrer Entscheidung, sich beruflich zu verändern und einen umweltfreundlichen Unverpackt-Laden zu eröffnen.
Am 1. Juli dieses Jahres war es dann so weit. Nur knapp 200 Meter hinterm Klinikum in Bad Saarow in Richtung Pieskow eröffnete sie ihr Geschäft, in einem Mischgebiet mit unübersehbaren blauen Hallen, in denen auch ihr Mann Jörn Koziol eine Bootsbaufirma betreibt. Hier gibt es ausreichend Platz zum Parken und für die Präsentation ihrer Pflanzen und Stauden. „Diese Möglichkeit hätte ich im Ortszentrum nicht gehabt. Außerdem sind die Mieten für eine Existenzgründerin zu hoch. Und schließlich endet Bad Saarow nicht am Krankenhaus“, findet sie. So ist es. Unmittelbar neben ihrem Geschäft ist ein neues Wohngebiet entstanden, weitere Wohnungen sind in Planung.
Unterstützung durch die IHK und den Lotsendienst
Die gelernte Floristin, die bislang im Baumarkt in Fürstenwalde gearbeitet hat, hatte schon immer das Gefühl etwas tun zu müssen gegen Massenproduktion, Verpackungsflut und Lebensmittelverschwendung – und für den „grünen Fußabdruck“. Die Idee war lange da, bevor sie sich entschloss, den Konsumenten eine umweltfreundliche Alternative zu bieten. Obwohl sie sich selbstständig viel Wissen angeeignet hat, brauchte sie Unterstützung in betriebswirtschaftlicher Hinsicht. Hier hat sie gern die Hilfe der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Anspruch genommen. Sie meldete sich beim „Lotsendienst“, der Existenzgründer auf dem Weg in die Selbständigkeit unterstützt.

Einen Businessplan zu erstellen, hätte ich allein nicht geschafft. Da hat mir Frau Haak sehr geholfen


Annett Giese, Mutter von zwei Kindern, vier und neun Jahre alt.

In ihrem Laden mit dem Namen „Naturlieb unverpackt“ – es ist übrigens der zweite seiner Art in Brandenburg – kann man nichts kaufen, was verpackt ist oder dessen Verpackung, zum Beispiel in Pfandgläsern oder -flaschen nicht zurückgenommen wird. Ob Linsen, Bohnen, Steinsalz, Xylit-Birkenzucker, Wildtee, Nüsse, Mandeln, Milch, Nudeln, Aufstriche oder Getreide zum Mahlen, Knabbergebäck und Fruchtgummis – nichts ist verpackt, man kann alles aus gut verschlossenen Spendern selbst abfüllen.
Rund 800 Produkte gibt es gegenwärtig in dem kleinen Laden. Dazu gehören auch eine Reihe von Haushalts- und Kosmetikprodukten wie verschiedene Cremes, Seifen oder das „feste Spülmittel“. Und der Kunde kann auch Neues entdecken, wie zum Beispiel die Kakaonibs. „Die kann man als kleine Stückchen im Kuchenteig versenken, sie geben einen herb-bitteren Schokoladengeschmack“, berät die 42-jährige Geschäftsinhaberin gern.
Regionale Produkte
Alle Produkte, die sie anbietet, auch das Obst und Gemüse, kommen aus dem Biohandel und aus der Region. Zum Beispiel die Milch aus Buchholz, die man aus einem Tank in Flaschen abfüllen kann. Bald soll auch Hafermilch das Angebot komplettieren. Die Eier kommen aus Briesen. Ein durchsichtiger Kühlschrank bietet alles aus einer Büffelproduktion in Jüterbog. Die vielen Pflanzen und Blumenstauden bezieht sie von einem Unternehmen aus Sachsen. „Wir haben langsam angefangen und möchten jetzt schrittweise aufstocken und erweitern. Im Obergeschoss sind noch 140 Quadratmeter frei“, erklärt Annett Giese, die in Rabea Blanke (41) eine gleichgesinnte Mitarbeiterin an ihrer Seite hat. Die beiden Frauen lernten sich über ihre Kinder kennen. Rabea Blanke ließ sich nicht lange bitten. Die studierte Gartenbauwissenschaftlerin gab ihren Job auf und stieg gern bei „Naturlieb unverpackt“ ein. „Ich bin mit dieser Philosophie aufgewachsen, meine Eltern hatten in Berlin einen Naturkostladen.“
Beide sind mit viel Leidenschaft und einem Kopf voller Ideen bei der Sache. Erst vor kurzem konnte in der Mitte des Ladens ein neuer Präsenztisch mit dekorativen Spendern aus Glas aufgebaut werden. „Der Inhalt geht schon in Richtung Weihnachten“, zeigt Annett Giese auf die Abfüllungen mit Nüssen, Mandeln und verschiedenen Gewürzen zum Backen. In der Adventszeit planen sie noch eine ganz besondere Aktion „mit den schönen Sammeltassen von meiner Oma und Erinnerungen an die gute alte Zeit.“ Dieses Flair ist es auch, was nicht nur umweltbewusste junge Leute in den Laden zieht, sondern auch die Älteren. „Sie fühlen sich an früher erinnert. An das Einkaufen, wo man auch noch ein Schwätzchen halten konnte“, sagt Rabea Blanke. Den Frauen schwebt auch vor, in dem langen Gang vom blumenbestückten Eingang bis zum Laden eine wechselnde Bildergalerie zu installieren. Wer ausstellen möchte, kann sich gern im Geschäft melden. Und an einer Pinwand sollen bald Kunden ihre Rezepte austauschen können.  Gesund, nachhaltig, freundlich und entschleunigt – das sind die Attribute, die „Naturlieb unverpackt“ ausmachen.
FORUM/Ruth Buder

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Katharina Wieske
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