6.8.2020 | Pressemeldung

Duale Berufsausbildung erhält erneut Bestnoten

Auszubildende in den neuen Bundesländern sind sehr zufrieden mit ihrer Entscheidung für eine Berufsausbildung in den Bereichen Industrie, Dienstleistungen und Handel. Das ist das zentrale Ergebnis der diesjährigen Umfrage unter 30.000 Auszubildenden im 1. Lehrjahr aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – durchgeführt von den Industrie- und Handelskammern (IHK) der neuen Bundesländer.
„87 Prozent der Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr bescheinigen ihren Firmen ein gutes Betriebsklima und fühlen sich von den Mitarbeitern akzeptiert. Dabei erlernen 78 Prozent der Befragten nach eigener Aussage ihren Wunschberuf, das sind drei Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Die Ergebnisse zeigen, dass Berufsorientierung zunehmend praxisgerechter und individueller ausgestaltet wird“, sagt Michael Völker, Geschäftsbreichsleiter Aus- und Weiterbildung bei der IHK Ostbrandenburg.
Die Zufriedenheit der Auszubildenden mit ihrer Berufswahl und ihrem Ausbildungsunternehmen spiegele sich zudem auch darin wieder, dass 87 Prozent der Befragten ihr Ausbildungsunternehmen weiterempfehlen würden.
Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen und Azubis ist jedoch die Entfernung zur Berufsschule. Die Bewerber signalisieren immer öfter, dass der Berufsschulstandort ein wesentlicher Aspekt für die Attraktivität der Ausbildungsstelle ist und sie ungern lange Fahrzeiten in Kauf nehmen. Im Ergebnis der länderübergreifenden Umfrage hat jeder vierte Jugendliche täglich eine Fahrzeit von 90 Minuten und länger zur Berufsschule und zurück. Um die Berufsausbildung antreten zu können, ist zudem jeder fünfte Jugendliche umgezogen.
„Die Berufsschule ist ein wichtiges Kriterium für die Jobwahl, doch auf das Schulnetz haben die Unternehmer keinen direkten Einfluss“, erläutert Völker. „Fast jede zweite Firma übernimmt dafür zusätzliche Aufwendungen, wie z.B. Fahrt- oder Wohnheimkosten.“
Optimale Schul- und Ausbildungsbedingungen seien schließlich eine wesentliche Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss der Lehre und mit Qualität in der fachlichen und persönlichen Betreuung punktet man langfristig als Arbeitgeber.
Ergebnisse im Überblick:
  1. In der Regel ist es tatsächlich der Wunschberuf, der erlernt wird. 78 Prozent der Azubis erhielten einen Ausbildungsvertrag in ihrem Wunschberuf.
  2. Bei den erfolgreichsten Maßnahmen beruflicher Orientierung sind sich die Azubis mit den Betrieben einig: Je praktischer, desto besser. Praktika liegen an der Spitze (56 Prozent) – gefolgt von Online-Recherchen (34 Prozent) sowie Messen und Infoveranstaltungen (30 Prozent).
  3. Eltern bleiben die wichtigsten „Influencer“ für die berufliche Zukunft ihrer Kinder (37 Prozent). Persönliche Gespräche mit Ausbildungsverantwortlichen werden von Jugendlichen gern zusätzlich genutzt und in Anspruch genommen, um ihre Vorstellungen und den Traumberuf zu konkretisieren.
  4. Am stärksten wird die Berufswahl von dem Bezug zur Praxis (95 Prozent), von späteren Übernahme- und Aufstiegschancen (89 Prozent), den sofortigen Verdienstmöglichkeiten (77,4 Prozent) und von der Nähe zum Heimatort (73 Prozent) beeinflusst. Für jeden zweiten Azubi ist zudem die Nähe zur Berufsschule ein entscheidendes Kriterium bei der Unternehmenswahl.
  5. Zudem finden Ausbildungsinteressierte fast immer das passende Angebot im Heimatbundesland und in der Nähe zum Heimatort. Lediglich jeder fünfte Auszubildende hat für die Aufnahme der Berufsausbildung einen Wohnortwechsel vorgenommen. Damit ist der überregionale Wanderungssaldo nochmals stark zurückgegangen. Im Vorjahr ist noch jeder vierte Auszubildende für die Ausbildung umgezogen. Dies ist ein Beleg für das gesteigerte Ausbildungsmarketing und die gestiegene Attraktivität der regionalen Ausbildungsangebote.
  6. Die Zeiten der Stapel von Bewerbungsmappen sind endgültig vorbei. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen schrieb nur bis zu fünf Bewerbungen. Der überwiegende Teil der Bewerbungen wurde dabei bis Januar versandt – also noch vor den Halbjahreszeugnissen. 
  7. Wichtig fürs Azubi-Marketing: Rund 30 Prozent der Jugendlichen haben sich beruflich über Social-Media-Kanäle informiert und bewerten Soziale Netzwerke als sehr hilfreich für die Berufsorientierung. Dabei benutzten zwei von drei Auszubildenden Instagram und YouTube zur Recherche. Die Bedeutung von Facebook bei der Zielgruppe nimmt dabei eine eher untergeordnete Rolle ein. Lediglich jeder dritte Jugendliche nutzt Facebook als Recherche- oder Informationsmedium bei der Ausbildungsplatzsuche bzw. –wahl.
  8. Schönster Lohn für die Unternehmen: die überwiegende Mehrzahl der Jugendlichen würde ihren Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen (87 Prozent). Befragt nach dem Warum, bescheinigen sie ihren Betrieben ein gutes Betriebsklima, ein gutes bis sehr gutes Verhältnis zu den Ausbildungsverantwortlichen, ein gutes Image des Betriebes und die Zahlung einer hohen Ausbildungsvergütung.
  9. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen haben auch Auswirkungen auf die Ausbildung in den Betrieben. Bei drei von vier Unternehmen konnte die Ausbildung, auch dank Umorganisation, im Normalbetrieb weiterlaufen. Rund ein Fünftel der Firmen haben die Auszubildenden zumindest mobil beschäftigt. Ein Beleg dafür, dass die Unternehmen alle Anstrengungen unternehmen, die Auszubildenden trotz schwieriger Rahmenbedingungen weiterhin zu halten und die Qualität in der Ausbildung zu sichern.