Aus- und Weiterbildung

Kurzarbeit und Ausbildung

Sofern in einem Betrieb Kurzarbeit eingeführt wird oder werden soll, ist hiervon auch die Ausbildung betroffen und es stellt sich die Frage der Vereinbarkeit von Ausbildung und Kurzarbeit. Der Betrieb hat eine Ausbildungspflicht. Kommt er ihr nicht nach, besteht die Gefahr von Schadensersatzansprüchen. 
Grundsätzlich ist auch Kurzarbeit für Auszubildende möglich. Dies knüpft jedoch an strenge Voraussetzungen an und bietet dem Arbeitgeber nicht die gleiche finanzielle Entlastung, wie bei Arbeitnehmern.
Zunächst muss der Ausbildungsbetrieb von allen Möglichkeiten Gebrauch machen, um seiner Ausbildungspflicht trotz Einführung von Kurzarbeit nachzukommen. Hierbei hat er zum Beispiel folgende Möglichkeiten:
  • Umstellung des Lehrplans durch Vorziehen anderer Lerninhalte
  • Versetzung in eine andere Abteilung
  • Rückversetzung in eine Lehrwerkstatt
  • Durchführung besonderer Ausbildungsveranstaltungen.
Nur in äußersten Ausnahmefällen, wenn auch alle erdenklichen Maßnahmen zur weiteren Durchführung der Ausbildung ausgeschöpft sind, kann im Ausbildungsverhältnis Kurzarbeit in Betracht kommen.
Sollte Auszubildenden gegenüber Kurzarbeit angeordnet werden, haben sie dennoch Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen (§ 19 Abs. 1 Nr. 2 BBiG). Die sechs Wochen meinen 30 Arbeitstage á 8 Arbeitsstunden. Ist die tägliche bzw. wöchentliche Arbeitszeit geringer, besteht der volle Lohnanspruch des Auszubildenden so lange, bis die 240 Arbeitsstunden (30x8) erreicht sind. Ausbildungs- und Tarifverträge können noch längere Fristen vorsehen.