18.11.2020 | Pressemeldung

„Koordinierungsstelle für Wassertourismus muss kommen“

„Politischer Dialog Wassertourismus“ von IHKs Brandenburgs und WIN: Für 2021 angekündigter „Masterplan Freizeitschifffahrt“ des Bundes begrüßt
Der für die Wassertourismusbranche starke „Corona“-Sommer 2020 ließ die Probleme des vergangenen Jahres rund um die Sperrung der Schleuse Zaaren in den Hintergrund treten. Im Rahmen des heutigen „Politischen Dialogs Wassertourismus“, den die Brandenburger IHKs gemeinsam mit der Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg (WIN) organisieren, wurde neben der Studie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Sperrung einer zentralen Schleuse am Beispiel Zaaren ebenso eine Untersuchung zur wirtschaftlichen Bedeutung des Wassertourismus im Norden Brandenburgs präsentiert.
Die Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung des Wassertourismus in der WIN-Region[1] zeigt, dass Wassertourismus für das Reiseland Brandenburg insgesamt hohe Bedeutung hat, aber für die überwiegend ländlich strukturierten Gewässergebiete ein besonders großer regionaler Wirtschaftsfaktor ist. Das belegen die Zahlen der Studie: Der jährliche Bruttoumsatz aus dem Bootstourismus in der WIN-Region (Landkreise Barnim, Oberhavel und Ostprignitz Ruppin sowie Stadt Templin) beläuft sich auf 56,9 Mio. €.  In der Summe generieren die Gewässer der Region einen jährlichen Bruttoumsatz aus Bootstourismus sowie Urlaub und Freizeit am Wasser in Höhe von rund 371,7 Mio. Euro.  Entsprechend leistet der Wassertourismus einen bedeutenden wirtschaftlichen Beitrag für die Strukturentwicklung in dieser ländlichen Region.
Die baubedingte Sperrung einer wichtigen Schleuse über die ganze Saison 2019, wie in Zaaren geschehen, darf sich demnach so nicht wiederholen. Die Studie „Wirtschaftliche Auswirkungen der Sperrung einer zentralen Schleuse auf den Wassertourismus und die Region am Beispiel Schleuse Zaaren“[2] kommt zu folgenden Ergebnissen:
  • In der Addition aller Sportbootschleusungen an der Oberen Havel-Wasserstraße gab es einen Rückgang um 35 Prozent von 177.438 Sportbootschleusungen im Jahr 2018 auf 115.345 im Jahr 2019.
  • Fast 70 Prozent der Betriebe hatten Buchungsrückgänge zu verzeichnen, 40 Prozent sogar einen Rückgang von 10 Prozent und darüber hinaus. 
  • Zwei Drittel der Betriebe verzeichneten einen Umsatzrückgang durch die Sperrung, davon ein Drittel deutlich oder sogar massiv. (Charterbetriebe 75 Prozent Rückgang, bei Sportboothäfen 87 Prozent)
  • 71 Prozent der Betriebe geben an, eine „Vorwarnzeit“ von mindestens einem halben Jahr zu benötigen.
Vor dem Hintergrund der beiden Studien begrüßen die IHKs und die Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg den für das Jahr 2021 angekündigten „Masterplan Freizeitschifffahrt“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Mit dem „Masterplan Freizeitschifffahrt“ könnten endlich die Instandsetzung der Infrastruktur an den Nebenwasserstraßen begonnen und die Kommunikationsstrukturen verbessert werden.
Ziel des Masterplans ist die nutzungsorientierte Förderung und Unterstützung der Sport- und Freizeitschifffahrt, indem vorhandene Schnittstellen und Synergien zwischen den Zielen des Bundes und der Länder sowie die Interessen Dritter in einer Strategie zusammengeführt werden und in konkreten Maßnahmen münden.
Barbara Nitsche, Leiterin des Fachbereichs Interessenvertretung der IHK Potsdam, sagt: „Mit dem Masterplan können die wassertouristischen Potenziale künftig besser ausgeschöpft und Schleusensperrungen vermieden werden. Die Erfolgsgeschichte Wassertourismus in Brandenburg kann nur fortgeschrieben werden, wenn Bund, Länder und Kommunen zusammenarbeiten. Daher muss die Einrichtung der, im Koalitionsvertrag Brandenburgs festgeschriebenen, Koordinierungsstelle für Wassertourismus nun schnell erfolgen. Diese Schnittstelle in Brandenburg wird im Hinblick auf die Umsetzung des Masterplans der Bundesregierung dringend benötigt.“
Beide Studien wurden von der PROJECT M GmbH durchgeführt.
[1] Auftraggeber war die Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg.[2] Auftraggeber waren die IHKs Brandenburgs, die IHKs Mecklenburg-Vorpommern, die Wassertourismus Initiative Nordbrandenburg (WIN), BVWW - Bundesverband Wassersportwirtschaft e.V., Tourismusverband Havelland e.V., Tourismusverband Ruppiner Seenland e.V., Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte e.V.