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Vom „Chemiestädtchen“ zum Solarpark


химический городок – Chemiestädtchen, so wurde der Teil des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lieberose genannt, auf dem sich heute der größte Solarpark Deutschlands befindet. Wie diese Entwicklung vonstatten ging, darüber konnten sich die Teilnehmer des 18. Bodenschutzforums am 22.09.2010 in Peitz und am Solarpark informieren.
Einleitend gab Dr. Dieter Schönrock von der Energie und Umweltschutz Consult GmbH einen Überblick über die typischen Umweltschäden auf dem Truppenübungsplatz. Schier endlos war die Liste der Chemikalien, die auf dem Truppenübungsplatz verwendet wurden. Entsprechend hoch war das Gefahrenpotenzial, das von diesen ätzenden, giftigen, radioaktiven oder explosiven Stoffen ausging. Besonders besorgniserregend dabei war die Tatsache, dass der Grundwasserleiter weitgehend ungeschützt war. Heike Lehrack vom Umweltamt des Landkreises Spree-Neiße und Thomas Bußmann vom Ingenieurbüro Döring berichteten über die eingeleiteten Maßnahmen zur Schadensbegrenzung und –beseitigung. Als erstes wurden Meßstellen zur Überwachung des Grundwassers angelegt. Erfreulicherweise waren die Belastungen des Grundwassers doch noch so gering, dass eine in der Nähe liegende Wasserfassung nicht beeinträchtigt war. Bei der Sanierung wurden 95 Tonnen Chemikalien auf dem Gelände des Chemiestädtchens gefunden und entsorgt. Auch vor Überraschungen war man nicht sicher – so wurden Laborproben mit chemischen Kampfstoffen, wie z.B. Yperit und Sarin gefunden. Mit berechtigtem Stolz konnte Thomas Bußmann berichten, dass der Standort des Chemiestädtchens und damit der belastetste Teil des Truppenübungsplatzes vollständig untersucht und beräumt ist. Heike Lehrack wünscht sich, dass auch die anderen Flächen des Truppenübungsplatzes saniert werden.


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© IHK Ostbrandenburg

 

Wolfgang Roick vom Landesbetrieb Forst und damit Eigentümer der Flächen stellte dar, wie es zur Entwicklung zum Solarpark gekommen ist. Wesentliches Motiv war die Notwendigkeit der Sanierung des Standortes und die Überlegung, wie diese Sanierung finanziert werden kann. Immerhin ist der Eigentümer verantwortlich und in der Haftung, wenn etwas passiert. Das Land hätte eine umfangreiche Sanierung nicht finanzieren können. So kam die Anfrage eines Investors gerade recht. Es konnte ein Modell entwickelt werden, das die Refinanzierung der Sanierungskosten von immerhin 7 Mio. € sicher stellt. Der Solarpark umfasst heute eine Fläche von ca. 161 ha und eine Erweiterung um ca. 60 – 65 ha ist angedacht. Das Projekt Solarpark Lieberose war im Jahr 2009 nach dem BBI das zweitgrößte Investitionsprojekt in Brandenburg. Auch die Natur hat von dem Projekt profitiert: es wurden großflächige Offenlandschaften angelegt und schon jetzt ist eine Zunahme der Populationen von Brachpieper und Haubenlerche zu verzeichnen. Auf die regionalplanerischen Aspekte von Freiflächen-Photovoltaikanlagen ging Dr. Dieter Günnewig in seinem Vortrag ein. Zukünftig werden Freiflächenanlagen im Wesentlichen nur noch auf Konversionsflächen möglich sein, wobei hier unter Konversionsflächen nicht nur militärische Flächen verstanden werden. Die Aufgaben der Regionalplanung bestehen darin, Fehlentwicklungen, Nutzungskonkurrenzen und schädliche Umweltauswirkungen zu vermeiden. Abschließend stellte er fest, dass die Konversionsflächen im Land Brandenburg ausreichen um die Photovoltaik-Ziele der Energiestrategie zu erreichen.
Bei herrlichem Sonnenschein konnten die Teilnehmer des Bodenschutzforums anschließend den Solarpark besichtigen.

Vortragsunterlagen

  1. Ursachen für typische Umweltschäden auf dem Ausbildungszentrum (Übungsplatz) Lieberose
    Dr. Dieter Schönrock, Energie und Umweltschutz Consult GmbH
    Foliensatz
  2. Grundwassersituation am Standort Solarpark Lieberose
    Heike Lehrack, Landkreis Spree-Neiße
    Foliensatz
  3. Planung der Sanierung, Sanierungskonzept und Sanierungsdurchführung
    Thomas Bußmann, Ingenieurbüro Döring GmbH
    Vortrag, Foliensatz
  4. Entwicklung des Standorts zum Solarpark - derzeitiger Stand und weiterer Ausbau
    Wolfgang Roick, Landesbetrieb Forst, Betriebsteil Peitz
    Foliensatz
  5. Regionalplanerische Steuerung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen
    Dr. Dieter Günnewig, Bosch & Partner GmbH
    Foliensatz

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Veröffentlicht: Januar 2012
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