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16. Gemeinsamer Konjunkturreport Berlin-Brandenburg


Konjunkturumfrage: Vorsichtiger Optimismus bei den
Unternehmen in Berlin und Brandenburg

Auch in Berlin und Brandenburg sind erste Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft nach der schwersten Krise seit Jahrzehnten zu spüren. Die Unter-nehmen der Region schätzen ihre aktuelle Lage und Geschäftserwartungen deutlich besser ein als vor einem Jahr. Das geht aus der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammern beider Bundesländer hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Der Konjunkturklima-Index, der die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate widerspiegelt, erreichte zu Jahresbeginn den Wert von 100 Punkten. Das sind 14 Punkte mehr als vor einem Jahr, als der Index in Folge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise von einem relativ hohen Niveau auf 86 Punkte einbrach. In der Befragung im Januar hatten sich insgesamt 1800 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen, Verkehr und Bauwirtschaft beteiligt.

Der Aufwärtstrend geht vor allem auf verbesserte Geschäftserwartungen zurück. Gegenwärtig sehen nur noch 27 Prozent der befragten Unternehmen skeptisch in die Zukunft, während knapp jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) mit besseren Geschäften rechnet. Vor einem Jahr lag der Anteil negativer Prognosen mit 41 Prozent fast viermal höher als der Anteil positiver Einschätzungen (elf Prozent). Ähnlich sieht es bei den Einschätzungen der aktuellen Geschäftslage aus. Während 28 Prozent der Unternehmen zufrieden sind, klagen 19 Prozent über eine gegenwärtig schlechte Lage. Der Saldo stieg binnen eines Jahres allerdings nur um drei auf neun Prozentpunkte.

Die verbesserte Stimmung in der Berlin-Brandenburger Wirtschaft zieht sich nahezu durch alle Branchen. Lediglich in der Verkehrswirtschaft und im Baugewerbe ist eine leichte Verschlechterung der Lageeinschätzungen im Vergleich zum Jahresbeginn 2009 zu verzeichnen. Diese Entwicklung ist nach Einschätzung der Experten allerdings auf den außergewöhnlich kalten und schneereichen Winter zurückzuführen.

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, hält den Anstieg des Geschäftsklimaindex für Berlin-Brandenburg auf 100 Punkte für ein deutliches Zeichen der Entspannung. Der Tiefpunkt der seit Ende 2008 anhaltenden Wirtschaftskrise sei überwunden. Ob allerdings in naher Zukunft mit einem kräftigen, selbsttragenden Aufschwung zu rechnen sei, hänge unter anderem von der weiteren Entwicklung der gegenwärtig sehr schwierigen Finanzierungsbedingungen ab. In Bezug auf die aktuelle Geschäftslage der Unternehmen sagte Herr Eder: „Es überwiegen die positiven gegenüber den negativen Lageeinschätzungen nicht nur insgesamt, sondern auch in jedem einzelnen der vier IHK-Bezirke, und in allen vier Bezirken zeigt der Trend – nach dem Einbruch vor einem Jahr – wieder nach oben. Dies ist zunächst einmal eine gute Botschaft.“

René Kohl, Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam, sagte zu den Geschäftserwartungen sowie zum Export: „Die Erwartungen der Unternehmen sind bei weitem nicht mehr so düster wie vor einem Jahr. Am optimistischsten sind die Berliner und Westbrandenburger Unternehmen. Bei den Branchen zeichnen sich die Industrieunternehmen durch die größte Zuversicht aus. Die Baubranche hat die größte Skepsis. Nach dem massiven Einbruch der Exporte im Vorjahr blickt die Industrie wieder positiver gestimmt in die Zukunft: Immerhin fast ein Fünftel - 18 Prozent - gehen von einem Anstieg der Exporte aus, während sich die Zahl der Unternehmen, die einen Rückgang erwarten, von 26 Prozent im Vorjahr auf 12 Prozent reduziert hat.“

„Trotz noch verhaltender Zukunftserwartungen hat sich die Investitionsbereitschaft spürbar erhöht, sagte Gundolf Schülke, Hauptgeschäftsführer der IHK Ostbrandenburg. „Gerade die Investitionsabsichten sind ein wichtiger Indikator für die zukünftige konjunkturelle Entwicklung. Die Botschaft für Berlin und Brandenburg ist dabei insgesamt sehr positiv: Denn zwei Drittel der Unternehmen in Berlin und Brandenburg rechnen in diesem Jahr mit gleich blei-benden oder sogar steigenden Investitionen. Rund ein Viertel der Unternehmen rechnet mit rückläufigen Investitionsausgaben, und nur 14 Prozent der Unternehmen wollen angesichts der aktuellen Lage nicht investieren.“

„Der befürchtete große Einbruch der Arbeitslosenzahlen ist im Jahr 2009 ausgeblieben und es wird, nach allen uns vorliegenden Daten, auch 2010 keine drastische Verschärfung auf dem regionalen Arbeitsmarkt in Berlin und Brandenburg geben. Der Lehrstellenmarkt wird ebenfalls stabil bleiben, wobei sich der demographiebedingte Bewerbermangel zunehmend als Problem erweist“, fasste Dr. Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, die Umfrageergebnisse zu den Personalplänen der Unternehmen zusammen.

Parallel zur konjunkturellen Lage wurden die Unternehmen in Berlin und Brandenburg auch zum Thema Länderfusion befragt. Ergebnis: Eine große Mehrheit wünscht sich eine zügige Fusion beider Bundesländer. Denn zwischen den Unternehmen bestehen intensive Kontakte, für 82 Prozent der Unternehmen ist auch der jeweils andere Markt wichtig. Deshalb verspricht sich die Wirtschaft von einem fusionierten Bundesland u. a. weitere Vorteile beim Abbau der Bürokratie, der Optimierung der Infrastruktur oder der Vereinheitlichung der För-dermaßnahmen.
Der vollständige Bericht steht Ihnen als PDF-Datei zur Verfügung.

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Veröffentlicht: Mai 2010
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