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Konversion zu Grün


Konversionsexperten aus Berlin und Brandenburg informierten sich am 23.09.2009 in Fürstenwalde über eines der größten Konversionsprojekte Ostbrandenburgs. Nach Abzug aller Truppen im Jahr 1994 stand die Stadt vor dem Problem, ca. 500 ha Konversionsflächen zu sanieren und einer Nachnutzung zuzuführen. Das Besondere an der Fürstenwalder Strategie war, dass ganz bewusst „Konversion zu Grün“ betrieben wurde. Mehr als 200 ha, für die keine wirtschaftlich attraktive Nachnutzung zu erwarten war, wurden renaturiert.
Wigbert Bengtsson stellte die einzelnen Sanierungsobjekte vor und hob hervor, dass ohne Förderung durch die EU das heutige Ergebnis nicht möglich wäre: „Viele fragen immer, was bringt uns die EU? In Fürstenwalde kann man es konkret sehen!“
Peter Kramer von der Bodenschutzbehörde des Landkreises Oder-Spree hob besonders die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Behörden und Firmen hervor. Mit Stolz konnte er darauf verweisen, dass der Landkreis einen Spitzenplatz bei der Abarbeitung des Altlastenproblems einnimmt. Aus Sicht der Bodenschutzbehörde war es besonders wichtig, die Gefährdungen von Boden und Grundwasser abzuwenden. Immerhin grenzt das ehemalige Tanklager unmittelbar an die Trinkwasserschutzzone des Fürstenwalder Wasserwerks! Großer Wert wurde auch darauf gelegt, die finanziellen Mittel effektiv einzusetzen. Die kostenintensiven aktiven Sanierungsmaßnahmen wurden zu einem Zeitpunkt abgeschlossen, ab dem durch aktive Maßnahmen nur noch geringe Sanierungseffekte zu erreichen waren. Die verbleibende Restbelastung wurde dem natürlichen Schadstoffabbau, „Natural Attenuation“, überlassen.
090923TanklagerDietmar Grund von der Energie und Umweltschutz Consult GmbH ging in seinem Vortrag auf verschiedene Problemkreise aus der Sicht eines Ingenieurbüros ein. Aus der Erfahrung mehrerer begleiteter Sanierungsprojekte unterstrich er besonders die Notwendigkeit der Einbeziehung örtlichen Sachverstandes in die Erarbeitung von Gutachten. Ein besonderes Problem, das oft bei der Bearbeitung von ehemaligen Liegenschaften der sowjetischen Streitkräfte vernachlässigt wird, ist die Radioaktivität. Auch für viele der anwesenden Tagungsteilnehmer war es neu, dass radioaktive Substanzen in Rauchmeldern und anderen Messgeräten von den sowjetischen Streitkräften zum Einsatz kamen. Mehr Informationen zu diesem Thema bietet auch eine Broschüre des MLUV, die im Internet unter www.mluv.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.2320.de/i_bd12.pdf zu finden ist.
Jens Ramm von der Investitionsbank des Landes Brandenburg stellte die Möglichkeiten der Finanzierung von Konversionsprojekten vor. Für die aktuellen Förderperiode 2007 – 2013 stehen 21 Mio. € zur Verfügung, von denen per 31.08.2009 erst 5,7 Mio. € in Anspruch genommen wurden.
Prof. Rainer Macholz von der Prof. Dr. Macholz Umweltprojekte GmbH warf in seinem Vortrag die Frage auf, ob denn wirklich die gesamte Schadstoffbelastung betrachtet werden muss oder ob es nicht ausreicht, wenn man den biologisch wirksamen Schadstoffgehalt für die Bewertung zugrunde legt? Zur Beantwortung dieser Frage finden im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundesministeriums für Bildung und Forschung derzeit umfangreiche Untersuchungen statt. Auf der Grundlage der Ergebnisse kann eine Novellierung des Bundesbodenschutzgesetzes dazu führen, dass Sanierungskosten künftig deutlich reduziert werden können.
Im Anschluss an die interessanten Vorträge besichtigten die Tagungsteilnehmer das ehemalige Tanklager und konnten sich vor Ort vom Sanierungserfolg überzeugen. 

 

Vortragsunterlagen:

  1. Konversion in der Stadt Fürstenwalde
    - Allgemeiner Sachstandsbericht
    - Konversion "in Grün"
    Wigbert Bengtsson, Stadt Fürstenwalde, Fachbereich Stadtentwicklung
    Foliensatz
  2. Rückbau ehemals militärisch genutzter Liegenschaften - fachbehördliche Begleitung durch die untere Bodenschutzbehörde
    Peter Kramer, Landkreis Oder-Spree, untere Bodenschutzbehörde
    Vortrag, Foliensatz
  3. Umwelttechnische Begleitung des Rückbaus militärischer Liegenschaften aus der Sicht eines Ingenieurbüros
    Dietmar Grund, Energie und Umweltschutz Consult GmbH
    (keine Unterlagen vorhanden) 
    Möglichkeiten der finanziellen Förderung von Konversionsmaßnahmen
    Jens Ramm, Investitionsbvank des Landes Brandenburg
    Foliensatz
  4. Bewertung von Schadstoffen im Flächenrecycling und nachhaltigen Flächenmanagement auf der Basis der Verfügbarkeit/Bioverfügbarkeit
    Prof. Dr. Rainer Macholz, Prof. Dr. Macholz Umweltprojekte GmbH
    Foliensatz

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Veröffentlicht: Januar 2012
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